North Stradbroke Island

Um 4:30 Uhr klingelt der Wecker. Aber wir wollten doch um 5:30 Uhr aufstehen? Hm. Naja, immerhin eine gute Uhrzeit, um mal in Deutschland anzurufen, wo gerade mein Papa seinen Auftrag ausführt, den Bulli über den TÜV zu bringen. Der Handywecker klingelt um 5:30 Uhr. Ganz komisch. Erst als wir das Auto starten und die Uhrzeit sehen, kommt die Erkenntnis: Wir haben gestern Abend die Grenze zu Queensland überschritten und es gibt eine Stunde Zeitverschiebung gegenüber New South Wales! Schaffen wir die Fähre jetzt überhaupt noch?

Nach kurzem Nachdenken die Einsicht: ja, denn erstens ist es hier früher und zweitens ist das Handy schlauer als wir und hat sich automatisch umgestellt. Also alles gut. Im morgendlichen Regen fahren wir also zum Fährhafen in einem Vorort von Brisbane und stellen uns für die „Straddie“-Fähre um 7 Uhr an. Dort werden wir schon mit „Good morning, Dennis and Rebecca“ begrüßt 🙂 Etwa 40 Minuten dauert die Überfahrt, dann kommen wir auf Straddie an. Wir fahren erstmal eine der beiden Straßen der Insel bis zum Ende durch, wo wir am North Gorge Walk ankommen. Ein etwa 2 km langer Weg am Meer entlang, von dem aus man Meeresschildkröten sehen können soll. Vorher müssen wir allerdings noch für einige die Straße überquerende Kängurus anhalten, die jedoch vorbildlich den Zebrastreifen benutzen. An der Steilküste entdecken wir weitere kleine, nassgewordene Kängurus beim Frühstück, die mit dem Meer im Hintergrund ein tolles Fotomotiv abgeben. Vom ersten Vorsprung aus kann man in die mit Meerwasser gefüllte Schlucht sehen. Ich sehe da etwas treiben, was jedoch noch als Seetangbüschel abgetan wird. Von der anderen Seite sehen wir bei etwas ruhigerem Wasser wieder etwas Ovales auftauchen. Aha, die Kamera beweist es! Es sind Meeresschildkröten und kein Seetang! Was für ein toller Spaziergang hier entlang, es sind Massen an Schmetterlingen in der Luft unterwegs, über uns kreisen die Adler mit ihrem Fang in den Krallen und die morgendliche Sonne glitzert auf dem Meer. Straddie hinterlässt einen guten ersten Eindruck!

Wie wunderschön es hier ist! Straddie hat uns schon um den Finger gewickelt, dabei sind wir gerade mal zwei Stunden hier!!! Nach dem Spaziergang gibt es erstmal Frühstück, anschließend fahren wir zum Cylinder Beach, denn wir waren schon mindestens einen Tag nicht mehr im Meer schwimmen 😛 Wassertemperatur 24 °C, von einer Abkühlung kann man nicht gerade sprechen. Wie bekommt man bitte diese Fotos hin, wo die Hälfte des Bildes über, die andere Hälfte unter Wasser liegt? Bestimmt nicht in einem so welligen Meer, denn beim Versuch muss ich immer wieder unter der Welle wegtauchen oder werde einfach von ihr weggerammt.

Wir wollen nun zum Brown Lake, vorher machen wir jedoch Halt an einer Quelle, die durch ein Schild an der Straße angepriesen wird. Sie hat eine spirituelle Bedeutung für die Ureinwohner, optisch nennt man sowas zu Hause eher Köttelbach. Hier steht jedoch ein Schild, auf dem steht, dass man auch mal nach oben schauen sollte, denn wenn man Gück hat, kann man einen Koala entdecken. Tatsächlich! Da oben pennt einer! Der erste selbst entdeckte wildlebende Koala! Die sind einfach klasse, wie sie ihre kleinen grauen Popos in die Astgabel klemmen und einfach die ganze Zeit rumdösen <3

Okay, weiter zum Brown Lake. Dieser ist -wie der Name schon sagt- ein brauner See mit Badewannentemperatur. Die Farbe kommt von den Blättern der umliegenden Teebäume. Das Baden darin soll gut sein für die Haut und die Gesundheit und überhaupt. Gut, dass wir erst später lesen, dass hier auch riesige Schlangen leben sollen.

Danach fahren wir die zweite der zwei Straßen auf der Insel weiter am Blue Lake vorbei. Klingt verlockend, wäre aber eine kurze, steile Wanderung entfernt, die wir aufgrund von Hitze und Sonne ausfallen lassen. Stattdessen fahren wir weiter bis zum Main Beach. Dieser Strand säumt fast die ganze Ostseite der Insel. Es ist niemand am Strand, außer uns und ein paar angespülter kleiner, blauer Quallen.

Inzwischen ist Nachmittag und wir machen an der Inselverwaltung einen Campingplatz klar. Wieder auf der ersten Straße unterwegs, machen wir nochmal Halt bei unserem kleinen Koalafreund. Schläft unverändert im Baum. Wir bekommen einen super Stellplatz mit direktem Strandzugang. Am Strand sind ein paar Flächen abgesperrt, wo Schildkröteneier im Sand verbuddelt sind. Außerdem gibt es ein Schild, auf dem steht, dass man doch bitte die Delfine nicht füttern soll. Aha, hier gibt es also Delfine!

Während wir auf unseren Stühlen im Schatten sitzen, beobachten ein paar Leute etwas im Baum. Da schläft tatsächlich etwa 5 Meter von unserem Camper entfernt ein Koala im Baum! Aber im Nadelbaum? Hat der sich vertan?

Am nächsten Morgen macht Dennis gegen 6 Uhr die Schiebetür vom Camper auf und meint „Da vorne sind Delfine im Wasser!“ So wird man doch gerne geweckt!

Danach machen wir einen kleinen Spaziergang durch den Ort, zurück auf dem Campingplatz fragt uns ein Mann „Wanna see a koala?“ Klaro! Auf dem Platz scheint ja richtig Koalahochbetrieb zu herrschen. Während wir anschließend beim Frühstück sitzen, kommt eine Frau auf dem Fahrrad vorbei. Sie ist auf Koalasuche, hat aber momentan nur einen Waran gesichtet, den sie uns zeigen möchte. Ich komme mit der Kamera hinterher und entdecke noch einen weiteren, der wohl den Köder von einer herumliegenden Angel gefressen hat und noch an der Angelschnur festhängt. Dennis flitzt zum Office und sagt dort Bescheid. Sie rufen den Ranger alias Crocodile Hunter an. Die Einheimischen warnen uns davor, dem Waran selbst zu helfen, weil diese scharfen Klauen haben und voller Bakterien sind. Dann überschlagen sich die Ereignisse. Währen wir am Meer sitzen und auf den Ranger warten, tauchen Delfine auf. Gut, dass ich die Kamera noch in der Hand habe! Ich drehe mich um und will schauen, ob der Ranger schon da ist, da läuft hinter uns ein Koala rum und wechselt den Baum! Wir hatten bereits die Vermutung aufgestellt, dass sie sich von Baum zu Baum beamen, weil man sie nie laufen sieht. Der Koala klettert den Baum hoch, die Kamera glüht, der Ranger kommt. Wie stellt man sich so einen australischen Ranger vor? Genau, im khakigrünen Outfit, sonnengebräunt und langen Haaren. Vor uns steht die Reinkarnation von Steve Irwin. Er kann nach einigen Versuchen den Waran in einer Lebendfalle einfangen und ihn untersuchen. Zum Glück kann er keine Verletzungen vom Angelhaken feststellen und der Waran darf wieder gehen.

Puh, nach diesen aufregenden Ereignissen gibt’s erstmal im Fischrestaurant eine ordentliche Stärkung und danach ein bisschen Erholung am heimischen Strand. Zum Abend kommen uns noch ein paar Kakadus besuchen und hin und wieder werden wir von einem Pelikan überflogen. Was für ein Paradies hier!

Für den nächsten Morgen haben wir die Fähre zurück aufs Festland gebucht. Jedoch fahren wir nochmal am Koala an der Quelle vorbei (ist leider nicht mehr da) und zu den Schildkröten. Hier sind heute sogar drei Stück zu sehen, die immer mal wieder für ein paar Sekunden zum Atmen auftauchen und dann wieder in der Schlucht herumtauchen. Das Abschiedsfrühstück gibt es mit Meerblick, wo ein paar Delfine in den Wellen rumspringen.

Als wir auf die Fähre fahren, werden wir ganz nach links eingewiesen. Dort steht jedoch max. Höhe 2,4 m. Dennis zeigt dem Einweiser, dass wir 3 Meter hoch sind. Ist ihm egal, wir sollen weiter fahren. Dass die Höhen durchaus deutlich großzügiger bemessen sind, als oft auf den Schilder angegeben, haben wir schon festgestellt. Aber 60 cm zu wenig? Puh. Er wird schon wissen, was er macht. Widerwillig und ganz langsam fahren wir unter die Überdachung, bis es kkkrrrrrkkkk macht. Na toll. Und nu? Der Einweiser winkt ein paar seiner Kollegen heran, die sich die Lage ansehen und anschließend alle in den Camper kommen. Dadurch sind wir wieder ein Stück tiefer und können rückwärts heraus fahren. Zum Glück ist nicht das Dach beschädigt, sondern nur die kleine hervorstehende Lüftungsluke etwas eingedrückt, durch die uns das Possum angeschnarcht hat. Glück gehabt! Nochmal winken und dann geht es wieder zurück zum Festland.

Ciao Straddie, es war wunderschön hier!!!

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von Anders Noren.

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