Patagonien & Feuerland

18 Tage haben wir in Patagonien und Feuerland verbracht – oder etwas klangvoller auf spanisch: Patagonia y Tierra del fuego! Es gibt einiges zu erzählen: drei besuchte Nationalparks in Chile und Argentinien, Überquerung der Magellanstraße, Königspinguine auf Feuerland, Ushuaia -die Stadt am Ende der Welt, Trampen, qualmende Wanderschuhe und unzählige Gletscher. Aber eins nach dem anderen…. 

Nachdem wir die Insel Chiloé verlassen hatten, sind wir von Puerto Montt nach Punta Arenas geflogen. Da diese Stadt schon recht weit südlich und direkt an der Magellanstraße liegt, war es hier schon deutlich kälter und ziemlich windig. Dennoch hatten wir einen blauen Himmel und strahlenden Sonnenschein und konnten daher entspannt die Stadt entdecken.

Am nächsten Tag ging es auch schon weiter nach Puerto Natales, eine etwa drei Stunden Busfahrt entfernte, kleinere Stadt und Ausgangspunkt für Ausflüge in den Torres del Paine Nationalpark. Da man Übernachtungen innerhalb des Nationalparks extrem früh reservieren muss, wir uns aber nicht festlegen wollten, fuhren wir also an zwei Tagen mit dem Bus zum Park. Für den ersten Tag hatten wir eine Wanderung zu den namensgebenden “Türmen” – den Torres – geplant. Wir hatten vorab im Internet gelesen, dass die Zeit zwischen erstem und letztem Bus gerade so reicht, um die etwas über 10 km und 1.200 Höhenmeter zu bewältigen – und dann muss man ja auch noch zurück. Also gingen wir direkt nach Ankunft zügig los, über anfänglich angenehm ebenerdige Schotterwege, die sich zu steilen, steinigen Wegen verwandelten, über Flüsse, den “Windy Pass” entlang, der seinem Namen alle Ehre machte, durch einen Wald, anschließend steil bergauf über wasserüberspülte, große Steine und zuletzt über loses Geröll und große Felsstufen. Und wenn man völlig fertig und verschwitzt oben ankommt, warten sie schon: die drei Türme, hinter einem wunderschönen blauen See! Das war es wert! 

Es ware eine sehr schöne, aber auch sehr anstrengende Wanderung und mit insgesamt 21,2 km ja auch sozusagen ein Halbmarathon 😉 Die Zeit war trotz Picknick an den Türmen dann aber doch noch ausreichend, um im Besucherzentrum noch die verbrannten Kalorien in Form von Cola, Bier, Pizza, Kartoffelecken und Magnum aufzufüllen, bevor der Bus uns wieder abholte.

Für den folgenden Tag hatten wir eine Bootsfahrt auf dem Lago Grey, einem Gletschersee, auf dem Plan. Heute nur rumschippern lassen statt selber laufen. Also wieder mit dem Bus in den Park bis zur Verwaltung, kostenloser Transfer von dort zum Ausgangspunkt der Bootsfahrt inbegriffen. Hier befand sich ein schickes Hotel, in dem wir einen überteuerten Cappuchino tranken. Der Ausblick auf den Gletschersee mit herumschwimmenden Eisbergen war offensichtlich bereits eingepreist. Obwohl wir uns vorgenommen hatten, uns nicht viel zu bewegen, liefen wir dann doch schon mal ein bisschen zum See, da die Bootsfahrt erst gegen Mittag startete. Dann wieder zurück zum Hotel, wo wir bei einem kleinen Picknick auf dem Parkplatz (Preise im Hotelrestaurant ja wie bereits erwähnt höher als die umliegenden Berge) einen Fuchs beobachten konnten! Und zwar dabei, wie er auf den Parkplatz lief, sich umschaute, auf dem Boden wälzte und anschließend einen dicken Haufen mitten auf den Parkplatz machte! Hah! So ein Schauspiel haben die feinen Hotelgäste im schicken Restaurant wohl verpasst.

Um 12 Uhr war dann “Check in” für die Bootsfahrt. Warum man dafür unbedingt nochmal im Hotel antanzen musste und nicht einfach am (etwa 3 km entfernten) See und Bootsanleger warten konnte, war nicht so ganz nachvollziehbar. Schließlich zeigte man nur sein Online Ticket und bekam einen Zettel für die Fahrt und einen Coktailgutschein. Dann aber ab aufs Schiff und los! Für drei Stunden fuhren wir auf dem Lago Grey zwischen den Eisbergen umher und zu insgesamt drei Gletschern die in den See münden. Kalt, windig und sehr beeindruckend! 

Nach der Bootsfahrt fragten wir am Hotel, wie wir denn nun zur Verwaltung kommen, denn dort würde uns ja unser Bus wieder abholen. Kein Problem, es gibt einen Shuttle! Was man vorher noch erwähnen muss: für eine 3-stündige Busfahrt von Stadt zu Stadt haben wir in Chile 15 Euro bezahlt, die 2-stündige Fahrt in den Nationalpark kam etwa 12 Euro, der Parkeintritt pro Tag umgerechnet 7 Euro. Also alles vernünftige Preise. Das Hotel wollte jedoch für einen 20 Minuten Transfer mit einem Shuttlebus 25 Euro von uns haben! Pro Person! Sind die bescheuert? Nix da! Daher haben wir im ersten Schritt erstmal alle Busfahrer auf dem Parkplatz angesprochen, ob die uns nicht mitnehmen könnten. Nein, alles nur private Touren. Einer der Busfahrer gab uns jedoch den Tipp, uns an die Straße zu stellen, denn der Bootsanleger sei das Ende der Straße, die nur in eine Richtung führt, nämlich zur Parkverwaltung, wo die Busse stehen. Also ab an die Straße, Mütze ab (Blondinenbonus hat noch nie geschadet 😉 ) und Daumen hoch. Wird schon kein Mörder Eintritt in den Nationalpark bezahlen, um sich seine nächsten Opfer zu suchen. Erstes Auto hat uns ignoriert, zweites war voll, drittes Auto: blinkt uns auf und hält an! Das ging aber schnell! Eine chilenische Familie aus Santiago, die Mutter nahm das Kind auf den Schoß, damit wir uns noch auf die Rücksitzbank quetschen können. Ein bisschen englisch, ein bisschen spanisch, passt schon. Wir teilen Kekse und Waffeln und stellen fest, dass wir alle gestern etwa zur gleichen Zeit bei den Torres gewesen sein müssen. Sie bringen uns bis vor die Tür der Verwaltung – es gibt doch noch nette Menschen!

Nach den Besuchen im Torres del Paine Nationalpark haben wir Puerto Natales wieder verlassen und sind zurück nach Punta Arenas. Von dort hatten wir geplant, mit dem Mietwagen nach Feuerland zu fahren um uns eine dort ansässige Kolonie von Königspinguinen anzusehen. Leider begann der Morgen mit einer E-Mail, dass unsere Buchung storniert wurde, warum auch immer. Also buchten wir eine geführte Tour, was sich im Nachhinein auch als sehr praktisch erwiesen hat. Wir sind zwar keine Fans davon, stundenlang mit einer Reisegruppe im Bus eingepfercht zu sein, um dann hin und wieder für einen Fotostopp rausgescheucht zu werden, sondern sind lieber für uns unterwegs, aber hier war es sehr angenehm, sich über Schotterpiste kutschieren zu lassen – ohne Angst um einen Steinschlag im Mietwagen. Nachdem wir also mit der von einem Riesensturmvogel begleiteten Fähre die Magellanstraße bei bestem Wetter und ohne Wellengang überquert hatten, fuhren wir zur Bahía Inútil, der „Nutzlosen Bucht“, die aufgrund ihrer geringen Tiefe für die Schifffahrt nicht geeignet ist. Dann erreichten wir den „Parque Pingüino Rey“. Eine kurze Einführung in die Lebensweise der um die 90 cm großen Frackträger, dann konnten wir auch schon los und sie sehen! Wunderschöne, riesengroße schwarzweiße Pinguine standen vor uns und ließen sich gar nicht stören. Es folgt eine kleine Auswahl von mal wieder viel zu viel gemachten Fotos….

Dann hatte unsere Zeit in Chile auch schon ein Ende und wir buchten einen Bus, der uns von Punta Arenas nach Ushuaia auf Feuerland in Argentinien bringen sollte. Wir musste wieder die gleiche Passage der Magellanstraße mit der Fähre überqueren, diesmal jedoch mit ordentlichem Wellengang. Seekrank wurden wir zum Glück nicht, dafür aber ganz schön nass, weil wir natürlich draußen standen und nach Delfinen Ausschau gehalten haben. Erfolgreich! Unserem Bus wurde auf der Fähre der Spiegel abgefahren und die Seitenscheibe des Fahrer war gesplittert. Dies wurde einige Kilometer nach der Überfahrt zunächst notdürftig in einer „Werkstatt“ mit Plastikfolie und Paketband repariert. Hielt etwa 10 Kilometer, dann flatterte die Folie schon im Wind. Haben die hier denn kein Panzerband und Kabelbinder? 😉 Also zurück, diesmal wurde eine Spanplatte mit Draht befestigt. Die Konstruktion hielt bis zum Ziel.

In Ushuaia holten wir uns erstmal einen weiteren Stempel für den Reisepass ab – das Tor zur Antarktis! Wir nehmen jeden Stempel mit, auch wenn dann irgendwann kein Platz mehr für die offiziellen ist 😛 Wir hatten bereits gelesen, dass die Bargeldversorgung in Argentinien etwas problematisch sein sollte. Das kann man wohl so sagen. Das Ergebnis nach Abklappern von 8 Automaten: umgerechnet 30 Euro für 9 Euro Gebühren. Mal angenommen, man würde bei der kartenausgebenden Bank arbeiten, könnte man da nicht….? Wenigstens etwas liquide konnten wir am nächsten Tag mit dem Bus zum Nationalpark Tierra del Fuego fahren, Eintrittstickets bereits am Vorabend online gebucht und mit Karte bezahlt, damit wir bloß kein kostbares Bargeld verschwenden. Im Park machten wir eine schöne 8 km Wanderung am Beagle Kanal entlang und am Ende gab´s wieder einen Stempel.

Ende November verließen wir Feuerland und flogen wieder Richtung Norden nach El Calafate im argentinischen Teil von Patagonien. Da Inlandsflüge deutlich günstiger sind als grenzüberschreitende, haben wir uns für diese Zickzackroute entschieden. Sieht auf der Landkarte nicht logisch aus, auf der Kreditkarte aber schon. El Calafate ist ein wirklich schöner Ort am türkisblauen Lago Argentino, der mit seiner Hauptstraße voll Restaurants, Bars und Outdoorgeschäften und vielen Holzhäusern an die Touriorte in den kanadischen Rocky Mountains erinnert. Nur dass dazu auch noch ein leckeres argentinisches Steak mit heimischem Rotwein serviert wird! Mmmhhh…

Von Calafate aus fuhren wir zum Perito Moreno Gletscher, einer der wenigen die noch wachsen. Zwei Meter am Tag werden von oben nachgeschoben, die dann vorne an der Abbruchkante mit viel Krach in den See abbrechen. Mit dem Boot fuhren wir an den Gletscher heran und lauerten auf Abbrüche. Ständig knarrt und kracht es irgendwo. Manchmal sind es auch nur ganz kleine Eisbrocken, die aber ordentlich Krach machen. Von Aussichtsplattformen an Land kann man sich den riesigen Gletscher dann nochmal in seiner ganzen Ausdehnung ansehen, aber irgendwie gar nicht erfassen. Fünf Kilometer breit und 70 m hoch an der Abbruchkante. (Spoiler: so hoch ist auch der Obelisk in Buenos Aires und wenn man unten direkt davor steht, weiß man erstmal, wie hoch 70 m sind.)

Unser letzter Ausflug in Patagonien führte uns nach El Chaltén, der (vermutlich selbsternannten) Trekkinghauptstadt. Etwa drei Stunden mit dem Bus über eine tolle Straße an türkisfarbenen Seen und Flüssen vorbei und immer auf die Bergkette zu. Hier konnten wir unsere Wanderrekorde noch steigern! Zwei „große“ Wanderungen haben wir hier unternommen: 23 Kilometer zur Laguna Torres und 24 Kilometer zur Laguna de los Tres. Beide Wanderungen führten uns durch die unterschiedlichsten Landschaften, durch Wälder, über Flüsse, über Geröll und schließlich jeweils zu den Seen am Fuße der beiden großen Berge der Region, dem Cerro Paine und dem Cerro Fitz Roy.

Unsere Zeit in Patagonien und Feuerland war wirklich traumhaft: tolle Landschaften, schöne Erlebnisse und bestes Wetter! ¡Muchas gracias! Noch ein letzter Blick auf die wunderschönen Seen von oben aus dem Flugzeug und ab geht´s nach Buenos Aires!

Ein Kommentar zu „Patagonien & Feuerland

Gib deinen ab

Schreibe eine Antwort zu Elias Antwort abbrechen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Nach oben ↑