Rund um den Haast Pass

Am zweiten Weihnachtstag haben wir unseren schönen Stellplatz am See mit einigen Mückenstichen, Sandfliegenbissen und blauen Flecken verlassen. Dieses Auto hat es auf uns abgesehen. Wir sind ja das beengte Camperleben gewohnt und unser heimisches Mobil ist sogar etwas kleiner als unser Neuseeland-Barney. Trotzdem ist es unglaublich, wie viele Ecken und Kanten, Metallschienen auf Kopfhöhe und im Raum stehende Flügelmuttern dieses Auto hat.

Unser nächstes Ziel heißt Queenstown. Die Stadt ist eigentlich sehr schön, jedoch stören uns zwei Dinge: zum Einen ist es die Hochburg der Adrenalinjunkies (Speedboot, Bungeejumping und Fallschirmspringen hatten wir nicht vor), zum Anderen ist der zweite Weihnachtstag und somit „Boxing Day“. Das bedeutet, dass die Geschäfte mit Rabatten locken und man vermuten könnte, der Name kommt von der Schlacht um die besten Schnäppchen. Jedoch bekomme ich hier meinen erhofften Kiwi-Kapuzenpulli und für Dennis gibt es einen „Traveljogger“. Das ist keine Jogginghose. Das ist eine Reisehose 😛 (Im Nachhinein fragen wir uns, was wir ohne diese neuen Errungenschaften machen würden, denn wir haben nichts anderes mehr an…).

Da wir keine der verrückten Aktivitäten für uns vorgesehen haben, fahren wir weiter nach Wanaka. Hier schauen wir uns am nächsten Morgen den berühmten Wanaka Tree an. Wie dieser Baum es zu seiner Berühmtheit geschafft hat, weiß ich jetzt auch nicht. Es ist halt eine Weide im See mit schöner Umgebung. Das war es aber auch.

Von Wanaka aus geht es über den Haast Pass zum Lake Hawea. Hier machen wir eine Wanderung zum Isthmus Peak. 16,5 Kilometer, 1.134 Höhenmeter, am Ende schmerzende Knie und Füße, aber ein toller Ausblick auf gleich zwei Seen zwischen den Bergen!

Von der Wanderung erholt fahren wir am nächsten Tag den Haast Pass weiter Richtung Westküste. Der Pass bietet viele tolle Stops, die man leider nicht alle mitnehmen kann. Wir entscheiden uns unter anderem für die Blue Pools, ein Fluss mit Eisbonbonfarbe. Unser Ziel lautet Okarito, wo wir eine Kiwi Tour machen wollen. Auf dem Campingplatz angekommen begrüßt uns der Inhaber persönlich mit „Hi, I’m Rich.“ Er hat einen Campingplatz mit eigenem Strandzugang, WLAN, heißer Dusche und Wasser aus einer eigenen Quelle – und das mitten im Nichts. Nachdem wir die ganzen Besucher des Campingplatzes mit den 15 $ pro Person hochgerechnet haben, fragen wir uns, ob er nicht vielleicht gesagt hat „Hi, I’m rich!“ Vermutlich ist beides zutreffend.

In Okarito unternehmen wir eine kleine Wanderung und können von einer Kea-Sichtung berichten! Bei der abendlichen Kiwi-Tour schleichen wir wie die Verrückten durch den Wald, sehen ein Possum, viele Sterne und Sternschnuppen, aber leider keinen Kiwi. Wir haben ihn aber gehört! Ein Ereignis der Tour wird uns wohl in Erinnerung bleiben: Der Guide bittet Dennis, zwei Schritte in den dichten Busch zu machen, um zu demonstrieren, wie laut es ist, wenn ein Kiwi dort durch marschiert. Dennis macht den ersten Schritt und dann noch einen – und dann ist er plötzlich weg, in ein nicht erkennbares Loch gefallen. Der neuseeländische Urwald hat ihn verschluckt! Wenigstens hatten alle was zu Lachen, wenn der Kiwi sich schon nicht zeigen wollte.

Worüber wir sehr froh sind, ist dass der Highway 6 an der Westküste nach wochenlanger Sperrung wieder frei ist. Durch viel Regen haben Erdrutsche die Straße zerstört und so war die einzige Straße an der Westküste nicht durchgängig befahrbar. Die Umleitung wäre einmal quer über die Insel gewesen…. Aber so können wir unsere geplante Route durchziehen und weiterfahren nach Kaikoura!

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von Anders Noren.

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